Beispiel für die Interpretation eines Zitats im Rahmen einer Charakterisierung: „Der Besuch der alten Dame“, S. 71 "Schweigen"

(Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe des Diogenes-Verlages)

Was verstehen wir unter einer Zitat-Charakteristik?

  1. Normalerweise wird die Figur zum Beispiel eines Dramas komplett charakterisiert. Das heißt, es werden ihre Situation, ihr Verhalten und ihre Bedeutung im Rahmen der Figurenkonstellation herausgearbeitet.
  2. Allerdings kann man das auch etwas abändern, indem man von einer bestimmten Textstelle ausgeht und von der aus einen Blick auf die gesamte Entwicklung der Figur wirft.
  3. Das ist so ähnlich wie die Analyse einer Dramenszene, die ja auch in den gesamten dramatischen Ablauf eingeordnet und für die Gesamtaussage ausgewertet werden muss.
  4. Der Unterschied zu dieser Zitat-Charakteristik, so wollen wir das mal nennen, besteht darin, dass der zu analysiernde Kerntext auf ein Zitat zusammenschmilzt und von dort aus nicht das gesamte Drama, sondern eben die Entwicklung der Figur betrachtet wird.

Das Video zum Thema "Charakterisierung einer Figur"

Wer sich genauer mit dem Thema "Charakterisierung einer Figur" beschäftigen will, sollte sich das folgende Video mal anschauen. Dort wird ein Beispiel durchgespielt - und man kann auch alles in einer Dokumentation nachlesen.

Videolink


 

Beispiel Dürrenmatt, "Der Besuch der alten Dame", S. 71: Schweigen - gefährlich

  1. Als erstes muss das Zitat in den Szenen-Zusammenhang eingeordnet werden: Hier geht es um das Gespräch mit dem Bürgermeister, in dem Ill erfährt, wie wenig er auf die staatlichen Autoritäten zählen kann.
  2. Dann muss das Zitat in den genauen Kontext eingeordnet werden:
    Es geht um den Satz: "Schweigen ist mir zu gefährlich." Das hält Ill dem Bürgermeister entgegen.
  3. Eine genaue Analyse dieser Szene, die einem beim Einordnen hilft, findet sich hier:
    https://www.schnell-durchblicken.de/durchblick-auch-in-deutsch/d%C3%BCrrenmatt-besuch-der-alten-dame/klassenarbeit-b%C3%BCrgermeister-und-pfarrer/
  4. Anschließend macht man deutlich, was sich in dieser Szene und besonders an der Stelle des Zitats für Ill ändert - sowohl in seiner Situation, aber vor allem im Hinblick auf seine Haltung dazu.
  5. Das bedeutet, dass man es mit der bisherigen Entwicklung vergleicht, die ja vor allem durch ein Nicht-wahrhaben-Wollen Ills gekennzeichnet ist.
  6. Anschließend wendet man sich der Frage zu, inwieweit Ill tatsächlich nach dieser Äußerung sein Verhalten ändert
  7. und was er damit erreicht.
  8. Am Ende kann man eine Gesamtbewertung des Verhaltens Ills vornehmen und dabei noch einmal präzise auf die Zitatstelle eingehen.
  9. Interessant könnte sein, das Verhalten der anderen Figuren im Stück im Hinblick auf ihr "Schweigen" zumindest kurz zu beleuchten.
  10. Hier spielen ja zum einen der Pfarrer mit einem kurzen Moment der Ehrlichkeit und dann noch der Lehrer eine Rolle.

 

 

 

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